Cyberagentur: Angreifer sind bei Sicherheitslücken im Vorteil

Die Cyberagentur des Bundes sieht die aktuelle Welle kritischer Softwarelücken nicht als kurzfristige Ausnahme. „Wir befinden uns wahrscheinlich gerade schon momentan in einem kleinen Tal der Tränen“, sagte Daniel Gille, Abteilungsleiter für Schlüsseltechnologien, der Deutschen Presse-Agentur. Anlass ist die schwerwiegende Lücke in der Programmiersprache PHP.

Angreifer reagieren in Stunden, Betreiber in Tagen

Veröffentlichte Schwachstellen können Angreifer heute innerhalb von Minuten oder Stunden auswerten und einen Angriff daraus bauen. Früher habe das oft Wochen oder Monate gedauert, sagte Gille. Das Schließen der Lücken läuft dagegen dezentral und dauert deutlich länger.

Bei der PHP-Lücke war genau das zu beobachten: Viele Betreiber nahmen ihre Webseiten erst Stunden oder mehr als einen Tag nach dem Update wieder ans Netz. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) stuft das Risiko als außerordentlich hoch ein. Erfolgreiche Angriffe auf die Bundesverwaltung wurden bislang nicht gemeldet; das Digitalministerium prüft, ob Daten abgeflossen sind.

IBM zählt 10.124 Schwachstellen in neun Monaten

Wie wenig das ein Einzelfall ist, zeigt eine Auswertung von IBM X-Force: Bei Microsoft, Oracle und Google Chrome wurden von Januar bis September mindestens 10.124 Schwachstellen bekannt, rund 578 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Mehr als die Hälfte gilt als hoch oder kritisch, viele wurden mithilfe von KI gefunden.

KI als Hilfe beim sicheren Programmieren

Gille erwartet, dass KI künftig stärker dabei hilft, Software von vornherein weniger angreifbar zu schreiben. Die Cyberagentur bereitet dazu ein Forschungsprogramm vor, das demnächst ausgeschrieben werden soll. Weiter gehen Überlegungen, Künstliche Intelligenz selbst als Grundlage eines Betriebssystems zu nutzen.

Ein solches System hätte keinen festen Code mehr. Schwachstellen würden dann nicht mehr flächendeckend alle Systeme treffen, die die Software nutzen. Unter Betriebssystem-Experten ist die Idee umstritten. „Das ist tatsächlich eine komplett offene Forschungsfrage. Das kann wahrscheinlich kein Mensch zum heutigen Zeitpunkt beantworten“, sagte Gille.

Quellen

heise online: „Tal der Tränen“: Warum Angreifer bei Sicherheitslücken derzeit im Vorteil sind (25.10.2026)

heise online: php2shell – Kritische Sicherheitslücken erlauben Codeeinschleusung in PHP (22.10.2026)

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