Microsoft 365: 66 Prozent der Firmen erwägen Wechsel innerhalb von zwei Jahren

Europäische Unternehmen suchen zunehmend nach souveränen Alternativen zu Microsoft 365. Laut einer Umfrage des EuroCloud Pulse Check 2026, für den techconsult 250 IT-Entscheider deutscher Firmen befragte, erwägen 66% der Betriebe innerhalb von 12 bis 24 Monaten einen Wechsel größerer Arbeitslasten oder ihres Hauptanbieters. 20% verfolgen bereits konkrete Pläne, 46% prüfen den Schritt.

OpenDesk baut Vertrieb und Partnernetzwerk aus

Als europäische Alternative zu Microsoft 365 und Google verzeichnet die Plattform OpenDesk eine starke Nachfrage. Das System bündelt E-Mail, Büroanwendungen, Videokonferenzen, Chatfunktionen und Werkzeuge zur Zusammenarbeit auf einer gemeinsamen Plattform. Für die Lösung wurden bereits Lizenzen für mehr als 200.000 Büro-Arbeitsplätze vergeben. Den maßgeblichen Bekanntheitsschub erlebte das Projekt im Herbst 2025, als der Internationale Strafgerichtshof (IStGH) in Den Haag wegen befürchteter Sanktionen der USA zu der quelloffenen Software wechselte.

Parallel gründeten sechs Hersteller von Komponenten der Plattform – Collabora Productivity, Element, Nordeck IT + Consulting, Open-Xchange, Univention und XWiki – ein gemeinsames Vertriebsunternehmen namens Open Productivity Software GmbH. Zu den ersten Partnern der neuen Vertriebsgesellschaft gehören Adfinis aus der Schweiz, die MSG-Gruppe sowie das französische Unternehmen Smile. Einem Bericht des Handelsblatts zufolge wollen zudem die Deutsche Telekom, Ionos und Bechtle bei OpenDesk einsteigen.

Öffentliche Verwaltung überdenkt Cloud-Nutzung

Begleitet wird dieser Wandel von Kurskorrekturen im öffentlichen Dienst. So sagte die niederländische Steuer- und Zollverwaltung ihre geplante Migration in die öffentliche Cloud von Microsoft 365 offiziell ab und setzt künftig auf lokale Infrastruktur sowie Open-Source-Lösungen. Der IKT-Bewertungsrat hatte den Stopp wegen erheblicher Sicherheitsbedenken empfohlen. Kritisiert wurden unter anderem das Routing vertraulicher Dokumente über Server in den USA, Standardverschlüsselungen ohne eigene Schlüsselverwaltung, fehlende Ende-zu-Ende-Verschlüsselung in Microsoft Teams sowie das Fehlen einer Exit-Strategie.

Umfragen belegen Wechselbereitschaft in der Wirtschaft

Laut dem EuroCloud Pulse Check 2026 planen 53% der Unternehmen, in den kommenden zwei Jahren europäische Cloud-Anbieter für KI-Anwendungen und Modelle einzusetzen. Europsche IT-Anbieter genießen dabei insbesondere bei Geschäftsprozesssoftware (63%), Identity- und Access-Management (62%) sowie Compliance und Datenresidenz (61%) den Vorzug. Als größte Hürden für einen Systemwechsel gelten jedoch hohe Migrationskosten sowie Unklarheiten bezüglich der langfristigen Marktposition, die von jeweils 29% der Befragten genannt wurden.

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