BND und BfV: Geheimdienste setzen angeblich auf Google-Cloud
Bundesnachrichtendienst, Bundesamt für Verfassungsschutz und Militärischer Abschirmdienst wollen für den Austausch geheimer Informationen eine verteilte Cloudlösung von Google einsetzen. Das berichtet die Tagesschau unter Berufung auf damit vertraute Kreise.
Air-Gapped Cloud für Verschlusssachen
Das System soll als „Google Distributed Cloud“ weder mit dem Internet noch mit der allgemeinen Google-Cloud verbunden sein. Google bietet solche Varianten für Kunden mit besonderen Sicherheitsanforderungen an, etwa für den Umgang mit geheimschutzbedürftigen Verschlusssachen.
Auch die Bundeswehr will über ihr IT-Systemhaus BWI geschützte Daten auf Air-Gapped-Systemen von Google verarbeiten. Die BWI soll laut Bericht auch beim Betrieb der Geheimdienste-Cloud helfen.
Als typisches Einsatzszenario gilt die Auswertung großer Rohdatenmengen: Mitschnitte von Telefonaten, Videos und Texte, aus denen die Dienste ihre Meldungen erstellen.
Abhängigkeit und Souveränitätsdebatte
Google betreibt mit dem französischen Rüstungskonzern Thales das Angebot S3NS, bei dem der Betrieb beim europäischen Partner liegt. Die Softwareentwicklung bleibt beim US-Konzern.
Brancheninsidern zufolge kann eine so konstruierte Cloud ohne Google-Unterstützung nur einige Monate weiterlaufen, im besten Fall etwa ein Jahr. Bereits 2021 hatte Google mit der Deutschen Telekom eine hochsichere Cloud vorgestellt, für deren Air-Gapped-Variante laut Berichten kein Kunde gewonnen wurde.
Kritik kommt von der Opposition. „Die Sicherheit und Souveränität einer nachrichtendienstlichen Cloud ist von überragender sicherheitspolitischer Bedeutung“, sagte Konstantin von Notz, stellvertretender Vorsitzender des Parlamentarischen Kontrollgremiums. Die Bundesregierung müsse erklären, warum eine europäische Lösung nicht möglich war.
BSI prüft, Start verzögert sich
Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik prüft laut Bericht noch Komponenten des Vorhabens. Erst nach der Zulassung sollen die Haushaltsmittel freigegeben werden.
Insider schätzen die Kosten auf mindestens 500 Millionen Euro. Der ursprünglich für das erste Quartal 2027 geplante Start verzögert sich damit. Das BSI hatte im Frühjahr zusätzlich zu technischen Kriterien auch Kriterien zur Einstufung von Abhängigkeitsgraden vorgeschlagen, verpflichtend sind sie derzeit nicht.
Quellen
heise online: Nachrichtendienste – BND und BfV wollen angeblich auf Google setzen (26.10.2026)
No responses yet